Sind Politiker unglaubwürdig?

Mein kleines Credo zur Kandidatur.

Bei der letzten Umfrage hielten 89% der Befragten uns Politiker für unglaubwürdig.

Ärzte liegen in der jährlich erhobenen Statistik über das Ansehen der Berufe übrigens mit weitem Abstand (70%) vor Krankenschwestern (56%).

Dann kommt lange niemand mehr (Polizisten, 42%).

Ich müsste mich eigentlich ärgern. Das Berufsansehen von Politikern liegt sogar noch hinter jenem von Lehrern, Anwälten und Konzernmanagern. Nur Journalisten stehen noch schlechter da.

Muss ich mich deswegen ärgern?

In den letzten 10 Jahren war ich in der Politik nicht einfach nur Mitläufer.

Ich habe viel Herzblut gegeben

Ich habe viel Zeit investiert, in einer ganzen Reihe von wichtigen grossrätlichen Kommissionen, z.B. der Justizkommission, der Gesundheitskommission, der Kommission Umwelt, Bau und Verkehr und der Polizeikommission mitgewirkt

Ich habe meine Wohngemeinde als Gemeinderat mitgeprägt,

Ich habe mit Gleichgesinnten und politischen Gegnern verhandelt, mir oft den Mund fusslig geredet, Vorlagen gelesen und zerpflückt und war an vielen Sitzungen, Veranstaltungen und Podien.

Dass ich davon profitiert habe, steht zweifelsfrei fest – aber glauben Sie mir: nur in Form von Lebenserfahrung und garantiert nicht finanziell.

Und trotzdem soll ich zur Berufsgruppe mit der niedrigsten Glaubwürdigkeit gehören?

So eigenartig es tönt – ich kann es nachvollziehen.

In der Politik sind vielerlei Charaktere zu finden.

Egomanen, Exzentriker, Extremisten, Profiteure. Sie alle laufen durch manche Wandelhallle, entwerfen manchmal absurde Plakate und palavern in manchem Parlament. Ich bin schon allen begegnet und habe schon mit jedem um sachpolitische Themen gerungen. Das gehört zum politischen Alltag. Solche Politiker sind aber zum Glück in der Minderzahl.

Eines kann ich Ihnen versichern:

Die Mehrzahl der Politiker ist glaubwürdig und integer. Selbst meine politischen Gegner bescheinigen, dass ich zu den integren Politikern gehöre.

Wir sind in der Schweiz in der einmaligen Situation, dass wir – das Volk – so viele Mitspracherechte haben, wie niemand sonst auf der Welt. Und dennoch kann das Volk keine konkreten politichen Sachverhandlungen führen. Es muss sie an uns Politiker delegieren. Dieser Teil des politischen Alltags befriedigt mich persönlich am meisten.

Man kann als Politiker im Auftrag seiner Wähler etwas formen. Meistens ist es nicht viel und oft muss man Energie einsetzen, um Fehlformungen zu verhindern. So ist eben die Politik: Sie erfordert Sachlichkeit und Verstand.

Ich habe mir kürzlich sogar den Luxus erlaubt, meine eigene Glaubwürdigkeit, meinen Verstand und mein Ansehen vor blinde Gefolgschaft und Keulenpolitik zu setzen. Das habe ich mit einem Parteiwechsel bezahlt. An Glaubwürdigkeit, Einflussmöglichkeit und persönlicher Befriedigung habe ich gewonnen, speziell dank meiner neuen politischen Heimat, der CVP.

Auf jeden Fall danke ich Ihnen herzlich für Ihr Interesse an dieser Website, für Ihr Wohlwollen für mich und für Ihre Unterstützung.

Ihr Urs Leuenberger